Interview I MS MR

Photo: Tyler Kohlhoff

Wenn an einem Montag Abend bei eisigen Temperaturen dutzende Menschen den Berliner Club Prince Charles stürmen, und dann nicht mal mehr einen einzigen Kleiderbügel an der Garderobe übrig lassen, muss irgendwas Besonderes passiert sein – und so war’s auch. Erst waren MS MR bei uns im Interview, dann auf der Bühne.

Die Berliner Crowd trotzte Montag und Kälte einer Band wegen aus Brooklyn, von der man nicht viel weiß, außer dass sie durch ihren Song “Hurricane” im Sommer innerhalb weniger Tage absoluten Fame Status in der Cyberwelt erlangte. Der Song war auf so gut wie jedem Facebook-Profil, Twitter-Account oder Blog. Dass man ihre EP “Candy Bar Creep Show” nur über Tumblr kaufen konnte, trug sicherlich zum Hype bei. Wir haben Lizzy und Max vor ihrer Show während ihrer Europa-Tour zum Interview getroffen.

Stürmisch ging es zu an diesem Abend, es wurde spät. Im kleinen Backstage-Raum hinter den Toiletten warteten wir zwischen Bierflaschen und Käsehäppchen auf die Band – bis die zwei stürmisch den Raum betraten und sich für ihre Verspätung entschuldigten. Lizzy ist ein Energiebündel und nicht nur auf der Bühne die Frontfrau der Band, das sah man auf den ersten Blick. Ihre glühenden Augen und ihr blau gefärbtes Haar zeigten, dass sie es genießt, im Mittelpunkt zu stehen, jedoch ohne jemals prätentiös zu wirken. Max machte den Eindruck eines verschmitzt lächelnden Jungen, der endlich auch in der Räuberbande seines großen Bruders mitspielen durfte.

Teresa: Ihr wart gerade im Grille Royale essen. Fancy! War’s gut?

MS MR: Ja, es war der Wahnsinn! Wir haben in den letzten Wochen nur Junk Food gegessen. Das hier war echt der Knaller. Wir waren etwas verwirrt am Anfang: wie gehen Tischmanieren noch mal? Wow, eine Flasche guter Wein, Besteck…

Teresa: Ihr seid gerade auf Europa-Tour. Wo habt ihr zuletzt gespielt?

MS MR: Wir spielten in Brüssel in diesem coolen Club, es war eine Art Keller und sehr MS MR-esque! Wir konnten uns voll und ganz ausleben!

Teresa: Ihr seid jetzt das zweite Mal in Berlin. Im September habt ihr das Bi Nuu gerockt und heute Abend werdet ihr im Prince Charles auftreten. Was denkt ihr über die kreative Seele der Stadt, von der jeder Künstler so begeistert ist?

Lizzy: Das letzte Mal als wir auf unserer Europa-Tour waren, hatten wir uns schon in diese Stadt verliebt! Wir wollten unbedingt wiederkommen. Ich weiß leider nicht so viel über Berliner Bands, obwohl ich gerne mehr herausfinden würde, aber es sieht so aus, als ob es eine sehr anregende Stadt ist. Jeder ist auch so nett und verständnisvoll.

Teresa: Könnt ihr euch vorstellen hier zu leben?

Lizzy: Absolut! (lacht)

Max: Meiner Meinung nach ist Berlin eine der interessantesten Städte, zusammen mit London und New York.

Teresa: Dieses Jahr war einfach unglaublich für euch! Support Shows für Marina and the Diamonds, EP Release, erste Headline Konzerte in Europa! Was war euer persönliches Highlight?

Lizzy: Es war fucking wild!

Max: Mein Highlight war, dass ich endlich meinen Job als Kellner aufgeben konnte. Das war emotional sehr befriedigend! Wir sind einfach so dankbar für alles, was grade bei uns abgeht.

Lizzy: Die Möglichkeit zu haben, in London zu spielen, meiner Heimatstadt, war mein Highlight, denn ich bewundere die Musik-Gemeinschaft dort sehr, und ein Teil davon zu sein, ist einfach wunderbar. Es ist ein ganz anderes Gefühl in deiner Heimatstadt zu spielen! Es ist einfach so geil, dass die Leute unsere Musik lieben, lieben was wir tun und mit ihnen teilen wollen.

Teresa: Wie habt ihr beiden euch eigentlich kennengelernt?

Max: Wir haben uns im College in Upstate New York kennengelernt. Lizzy hatte gerade ein Plattenlabel namens Neon Gold gegründet und ich hatte angefangen zu produzieren und Musik zu schreiben. Nach dem College waren wir in E-Mail-Kontakt. Ich suchte neue Künstler zum Arbeiten und Lizzy gab mir eine lange Liste mit Musikern, die in Frage kamen und legte noch ein paar Proben von ihren eigenen Sachen bei.

Lizzy Ja, es war das erste Mal, dass ich wirklich zugab, dass ich selbst Musik mache und es war ein unglaubliches Risiko. Ich war absolut darauf gefasst, dass er zurück schreiben würde: “Ich find es klasse, dass du das

machst, aber nicht wirklich mein Ding, viel Glück bei allem!” Doch wir trafen uns, machten zusammen Musik und es klickte sofort!

Teresa: Euer Album steht demnächst an! Mai ist das Release-Datum, richtig? Seid ihr bereit, dass die Leute mehr von euch zu hören bekommen?

Lizzy: Ja, es ist alles komplett aufgenommen und fertig, wir sind so was von bereit dafür, dass es in die Welt getragen wird! Ich finde, “Hurricane” war ein guter erster Einblick in das, was wir tun, aber ich weiß nicht, ob das Album so ist, wie die Leute es sich vorstellen. Es gibt viele verschiedene Stücke und das ist auch, was uns als Band ausmacht. “Hurricane” war eine Art von Song und wir möchten, dass die Leute beim nächsten Song denken: “Was? Wo kommt das denn jetzt her? Ich hatte keine Ahnung, dass die auch diese Art von Pop machen!” Und wir sagen dann nur: “Oh Baby, warte ab. Du hast keine Ahnung was noch so kommen wird!”

Teresa: Vielen Dank für das Interview.

Das Interview führte die wundervolle Teresa Woischiski für das Valve-Magazine

12. Dezember 2012 | Leben, Musik
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