Shelby

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Leben

In meinem Kopf sitze ich am Steuer eines brandheißen 1967 Shelby Mustang GT 500, während mir das olle Gaspedal langsam aber sicher die Fußsohle wegräuchert. Natürlich nenne ich die stramme Kraftschleuder nicht Eleanor. Das wäre irgendwie öde. Egal, ich bin hier auf der Autobahn und es gibt nicht einmal eine Überholspur. Was ist da los? Eigentlich gibt es nicht mal eine Straße. Ich, Shelby und die Freiheit. Irgendwas stimmt hier nicht. Aber im positiven Sinn. Ich glaube, ich fliege.

Junge Junge, was kommt den hier für ein verwandelter Geruchselfmeter. Es riecht echt gut. Fast ein bisschen zu gut. Nicht hinterfragen, einfach einatmen, Alte. Warum überholt mich eigentlich keiner? Da erwische ich mich doch glatt in einem konfusen Zustand. Vielleicht sollte ich das Licht anschalten. Wenn es aber zu hell ist, sehe ich auch nichts mehr. Was soll’s. Ich teste es einfach mal. Läuft. Der flotte Charmebolzen von Kiste hat gut was unter der Haube klemmen. So was passiert nur den Guten. Oh wartet. Wenn ich ehrlich bin, riecht es hier nicht nur unglaublich schnafte – ne, etwas ganz anderes versteckt sich tückisch, schon fast schurkenhaft, im Endlosraum Luft. Es ist warm und umhüllt mich aufdringlich schön. Ich schwimme in einer Wolke voller aufgeblasener Ballons aus Plüsch, Wolle und dem ganzen anderen, weichen Stoffgedöns auf der Welt. Ich glaube, ich bin im Himmel. Hey mein Soundtrack läuft. Ok, dann bin ich hier richtig. Genau das ist es. 

Rhythmisch atme ich zur Musik, weil sie meinen Herzschlag ungefragt und schleppend übernimmt. Langsam schleicht sich da etwas unüberhörbar Pulsierendes in meinen Kreislauf. Mein Blut schwitzt. Wow, fühlt sich das gut an. Bin ich schon weg oder verliere ich mich noch? Spielt keine Rolle. Es fühlt sich immer noch spannend an. Ich fahre schneller. So schnell, dass mir der Haaransatz fast abhaut. Aber nichts passiert, denn der Flow ist mit mir. Schelmisch lächele ich in mich hinein und drehe lauter. Warum auch nicht?

Shelby macht sich gut. Er funkelt nicht nur wie Michael Jacksons vom Moonwalkgestraffter Arsch nach einer vierstündigen Anal-Bleaching-Prozedur. Nein, viel besser, Shelby kotzt Gold aus dem Auspuff und spielt, bullig wie er von Geburt aus ist, den verdammten Soundtrack meines Lebens. Es ist so schön, natürlich weine ich ein bisschen Richtung Airbag. Ohne Frage eine mobile Prachtkutsche feinsten Kalibers. Ich bin stolz und zeige es. Auch wenn es keine Sau bemerkt, genießen tue ich es trotzdem. Mensch, ganz vergessen, dass ich hier alleine bin. 

Für einen kurzen Moment verliere ich mein Körpergefühl. Wehren ist keine Option. Laut und schnell schreie ich kühn wie König Karl weiterhin dem endlosen Nichts entgegen: Nimm mich. Aber vergiss Shelby nicht. Zu zweit gegen die Welt und alle anderen Feinde. Meine Güte, wer was dagegen hat, fliegt und ist draussen. Darf nicht mitspielen und wird Shelby nie gewissenfrei reiten dürfen. Ok, jetzt fühle ich mich ein bisschen wie Spiderman mit diesem flotten Spidy-Mobil aus meiner Fantasie. Eigentlich wusste ich es schon immer. Mit diesen Superman-Kräften ist es wie mit den pfiffigen Allergien. Manchmal treten sie erst nach der Scheiß-Pubertät in dein Leben. Dann aber ordentlich pornös. Damit kann ich umgehen. Und dabei habe ich noch nicht mal einen Führerschein. Verdammt Shelby, du bist so naiv. Du glaubst auch jedem Fuß. Mich soll es nicht stören. Meine Antwort heißt Gas. Geht ab die Lutzi. 

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