Das Band des Lebens

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Leben

Photo: Ting-Ting Cheng

Man muss nicht erst alt und räudig werden, um zu begreifen, dass Freunde und Familie das Wichtigste im Leben im sind. Nichts anderes gibt einem dauerhaft Glück und Halt als Menschen, die einen kennen und trotzdem lieben. Mit all den Fehlern, Schwächen und Makeln die man eben so mit sich rumschleppt. Vielleicht wird man sich von diesen charakterlichen Schönheitsfehlern auch nie befreien. Wer weiß. Echte Liebe ist nun mal bedingungslos und nur wahre Freunde und die eigene Familie kann das beweisen. Aus diesen Gründen ist es umso schöner und zugleich überraschender, dass es immer wieder kleine Wunder gibt und man neue Freunde dazu gewinnt. Noch besser ist es, wenn plötzlich ein Freundeskreis entsteht.

Solch enge Verbindungen aus unterschiedlichen und bunten Individuen, die bereit sind, die verrücktesten Dinge zu teilen und zu einem großen Ganzen zu verwandeln, sind eine wahre Rarität. Es ist nichts selbstverständliches, behaupten zu können, immer und überall einen Freundeskreis zu haben. Mit 14 Jahren erlebte ich zum ersten Mal Freundschaft. Wir waren cool und nichts konnte uns aufhalten, Zusammen gegen die Welt. Unser Soundtrack N.W.A. Fuck tha Police. Wir liefen nicht, wir breakten. Die Wände gehörten uns. Wir lebten die Hip Hop-Kultur mit allen Säulen. Badass. Ok. Eigentlich waren wir nur postpubertäre Kids die immer und überall Lust hatten, zusammen Scheiße zu bauen. Die Stufe zur Kriminalität überschritten wir jedoch nie.

Als ich dann mit 18 bei meinen Eltern auszog, um in die große weite Welt zu gehen, erschloss sich ein neuer Kreis enger Verbündeter. Von da an war ich auf mich alleine gestellt. Die alten Freunde ließ man zurück oder besser gesagt, sie machten sich ebenso aus dem Staub. Flüchteten halt nur in eine andere, vielleicht sogar bessere Richtung. Neue Stadt. Neue Wohnung. Neue Schule. Neue Menschen. Potenzielle Seelenverwandte, die genauso wie man selbst versuchten irgendwie irgendwo anzudocken, um den überfüllten Input an Veränderungen auf sozialer Ebene zu kompensieren. Wer das größte Ventil findet, gewinnt. Ja und so kam es dann auch. Nach ungefähr 3 Jahren befand ich mich in einem tiefen und extrem intensiven Freundeskreis. Es war zu schön, um wahr zu sein. Es hat zwar gedauert, aber dafür fühlte es sich umso einzigartiger an. Genau zu diesem Zeitpunkt entschied ich mich zum ersten und vielleicht auch letzten Mal für die „Man muss gehen wenn es am schönsten ist-Variante“. Der ein oder andere kann mich jetzt gut und gerne für bescheuert titulieren. Aber damals schien es mir genau die richtige Entscheidung zu sein. Ein Bruch. Ein Neunfang. Eine Veränderung.

Dann kam Berlin. Ich war mittlerweile 21 Jahre alt und wollte deshalb umso mehr die Weltherrschaft an mich reißen. Mit der Hauptstadt anzufangen, erachtete ich damals als keinen schlechten Anfang. Ich glaube, ich würde es jetzt sogar genau so machen. Genau der Überzeugung war ich leider ganz lange nicht, weil ich mit der Entscheidung, meinen neu gefundenen Freundeskreis zu verlassen, auch bewusst Sicherheit abgab. Erst wenn etwas weg ist, begreift man, wie sehr man es eigentlich braucht. Sehnsucht fühlt sich am schlimmsten an, wenn man eigentlich weiß, wie man sie stillen könnte. Jetzt nach 3 Jahren Berlin passiert es wieder. Ein neuer Kreis aus schönen Seelen, mit den man vertraut und Hand in Hand dem Sonnenuntergang entgegen tanzen will, wächst von Tag zu Tag mehr zu einer riesengroßen und lauten Konfetti-Explosion heran. Ein Freundeskreis entsteht. Wow.

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